Diesmal kein fiktives (wie bei Robbie), sondern ein richtiges Interview (Wir schwören, dass es echt ist!) mit Dietmar Hummel (Zitat Fifi: "Wer ist denn DAS?"). Für alle, die das auch nicht wissen: Dietmar Hummel ist Torwart beim SC Freiburg. Ob erster, zweiter oder dritter Torwart können weder wir, noch er selbst sagen, es tendiert aber (momentan) eher zu zweitem oder dritten.
Nach geringer (!?!) Nervosität unsererseits vor dem Interview ("Komm, wir gehen wieder.") und ein paar Schwierigkeiten in der Geschäftsstelle oder deren Umgebung einen freien Raum zu finden (Bei unserer Suche haben wir Volker Finke im Mannschaftsraum bei der Videoanalyse des letzten Spiels gestört. Sorry!) wurde es ein wirklich interessantes und nettes Gespräch (Ehrlich wahr! Das ist keine Schleimerei!). Übrigens: Der Spruch des Tages stammt eindeutig von unserer Fotografin Vera, die auf die Frage von Dietmar Hummel, warum sie die ganze Zeit so ruhig sei, ihn etwas abschätzig ansah und meinte: "Ach, ich interessiere mich nicht so für Fußball!"

Bist du gerne in die Schule gegangen?
Ähm, jein. Ich war früher auf dem Kolleg in Stegen. Dort war eher eine private, intime Atmosphäre, weil jeder sich gekannt hat. Das war ganz nett. Aber das war ein normales Gymnasium und nach der zehnten Klasse wollte ich etwas mit Schwerpunkt Wirtschaft machen. Also bin ich aufs Walter-Eucken-Gymnasium gegangen. Das war nur noch ein alter Bunker, der fast zusammenfällt, und ich war einer von fast 3000 Schülern. Im nachhinein würde ich sagen, Schule war eine schöne Zeit.

Physik

Was waren denn deine Lieblingsfächer?
Das kam bei mir auf den Lehrer an. Sport fand ich gut, weil man da nichts lernen mußte. In Biologie war ich immer ganz gut, da hatten wir auch einen guten Lehrer. BWL war auch ganz OK. Dann gab es Fächer, die waren weniger gut, z. B. Englisch und Französisch. Physik habe ich schwer gehaßt!

habe

Was sind denn deine Hobbies?
Ich lese gerne, spiele Billiard und fahre gerne Motorrad. Das darf ich aber jetzt leider nicht mehr, wegen der Verletzungsgefahr. Ich habe im letzten Sommer den Tauchschein gemacht. Im Urlaub spiele ich auch gerne Beach-Volleyball. Football schaue ich mir gerne im Fernsehen an und Eishockey beim EHC, weil es da richtig zur Sache geht.

ich

Wie bist du denn überhaupt zum SC gekommen?
Ich habe in der Jugend in Stegen gespielt und war auch in der Jugendauswahl von Freiburg. Mit dieser Jugendauswahl sind wir jedes Jahr nach Padua, der Partnerstadt von Freiburg, gefahren. Da waren zwei Jungs dabei, die beim Sportclub gespielt haben. Der Vater von einem war Betreuer der C-Jugendmannschaft beim SC und der hat mich gefragt, ob ich auch kommen möchte.

schwer

Ist Fußballspieler wirklich ein Traumberuf?
Sicherlich ist Fußballspieler, wenn man viele Erfolgserlebnisse hat, ein Traumberuf. Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt. Die Privatsphäre ist ziemlich eingeschränkt, man ist häufig weg. Man hat oftmals Verletzungssorgen, oder man spielt nicht. Das ist unbefriedigend. Auch wenn die Presse schreibt: "Der Blinde, der kann gar nichts," muß man immer lächeln. Andere Spieler sind neidisch und denken, wieso spielt der und ich nicht. Aber Fußballspieler ist auf jeden Fall ein schöner Beruf.

gehasst!

Bei welchem Verein würdest du gerne mal spielen?
Darüber habe ich mir noch keine großen Gedanken gemacht. Es würde mir sicher gefallen, in England zu spielen, wegen der euphorischen Stimmung in den engen Stadien ohne Tartanbahn und ohne Zäune, und weil da Fußball mit viel Körpereinsatz gespielt wird.


Und wo wolltest du überhaupt nicht spielen?
Was mir gar nicht liegen würde, wäre ein Verein wie z. B. Fortuna Köln. Die spielen vor etwa 1000 Zuschauern einem Stadion mit Tartanbahn. Da ist ja keine Stimmung!
Hast du ein Vorbild?
Ein richtige Vorbild habe ich eigentlich nicht. Es gibt immer Leute, die Charaktereigenschaften haben, die ich positiv finde. Von denen versuche ich mir dann etwas abzuschauen.
Was war dein schönstes Erlebnis als Fußballspieler?
Da gibt es zwei: Das eine war 1991, als ich unerwartet in die U20-Nationalmnnschaft gerutscht bin und wir nach Australien zur Weltmeisterschaft geflogen sind. Dort habe ich leider nicht gespielt, aber es war totzdem einmalig. Das zweite war mein erstes Bundesligaspiel letztes Jahr gegen Mönchengladbach, weil es auch total unerwartet kam, gut lief und die Stimmung toll war.
Und was war das schlimmste Erlebnis?
Da gibt es auch wieder zwei: Ich war in der U15-Nationalmannschaft und sollte mein erstes Länderspiel machen. Nach dem Abschlußtraining hat uns der Trainer noch ein paar Bälle aufs Tor geschossen und ich habe einen Ball auf den Finger bekommen. Das tat nur noch einen lauten Knall und der Finger sah ungefähr so aus (Verbiegt seinen Finger mit einer anschaulichen Geste, die wir hier leider schlecht verdeutlichen können.-Red.). Der ganze Knochen war gesplittert. Ich mußte operiert werden und war ein Jahr lang weg vom Fenster. Das war in einer Phase, als das mit Fußball richtig anfing und die ersten Erfolge kamen. Das andere ist gerade momentan. Da wird man Profiund ist dann doch nicht so dabei.
Was hast du nach dem Fußball beruflich vor?
Gute Frage. Was ich ganz genau vorhabe, weiß ich selbst noch nicht. Aber ich habe wie jeder Mensch Träume. Mir würde es gefallen, im Ausland zu arbeiten. Spanisch würde ich gerne lernen. Ich mache grade ein Fernstudium in Touristik- und Sportmanagement. Da könnte ich später etwas mit Ausland, Freizeitanlagen und Fremdsprachen machen.
Was waren deiner Meinung nach die Gründe für den Abstieg letztes Jahr?
Der Ursprung war sicher die geschlossene Mannschaftsleistung, denn Fußballspielen konnte jeder im letztjährigen Kader. Wir waren bestimmt nicht unbedingt schlechter als die anderen Mannschaften, manchmal hatten wir einfach Pech, und ab und zu hat die Kameradschaft ein bißchen gefehlt.
Und die Kameradschaft ist dieses Jahr besser?
Ja, auf jeden Fall! Letztes Jahr war sie auch nicht sooo schlecht. Aber um Erfolg zu haben, müssen viele Komponenten zusammenpassen. Und eine Komponente ist die Kameradschaft. Wenn man einen Hänger hat, braucht man die Unterstützung der Mannschaft und muß von ihr wieder aufgebaut werden. Wenn diese Unterstützung nicht da ist, kann man, man muß nicht unbedingt, Mißerfolg haben.
Volker Finke sagt, daß alle drei Torhüter gleich gut sind. Was gibt denn dann den Ausschlag, das Timo Reus spielen darf?
Die Frage stellt ihr dem Falschen. Da müßt ihr den Trainer fragen. Tatsache ist, daß mit Bosko und mir als Profitorleute in die Saison gegangen wurde und der Timo Amateurtorhüter war. Das Problem bei mir war, das ich eine total verkorkste Saisonvorbereitung hatte, weil ich mir im Urlaub so eine dumme Salmonellengeschichte eingefangen habe. Am Anfang konnte gar nicht trainieren. Dann habe ich lange gebraucht bis ich wieder fit war. Das war ziemliches Pech! Dann war noch die Geschichte mit dem Bosko. In der Zeit hat der Timo gut trainiert und gut gehalten, also durfte er spielen. Er hält immer noch gut und deshalb sieht der Trainer auch keinen Grund zu wechseln. Für mich ist das Scheiße, auf gut deutsch. Aber ich denke, dass das nicht für ewig ist. Im Sport läuft alles ziemlich schnell. Da muß ich durch, und es kommen sicher auch wieder andere Zeiten.
Ist es angenehm, auf der Staße erkannt zu werden?
Na ja, mich erkennen nicht so viele Leute auf der Straße. Und wenn, dann sagt man halt mal hallo und tschüß. Zu manchen Fans bekommt man auch ein ganz gutes Verhältnis, z. B. zu Fanclubs.
Bei Ali Günes? (DIE neue One-Man-Boygroup beim SC!-Red.)
Ja, beim Ali.....(grins)
Schrei, kreisch, oder wie?
Jaaaaa, so ungefähr! Bei Alain Sutter war es letztes Jahr auch extrem. Der konnte fast nicht mehr unerkannt auf die Straße gehen.
Was sind deine sportlichen Ziele in nächster Zeit?
Das erste Ziel, was wir hier alle haben, ist mit der Mannschaft aufzusteigen. Zum anderen, ist mein Ziel mich in Freiburg als erster Torwart durchzusetzen. So selbstbewußt muß ich sein, sonst kann ich gleich mit Fußballspielen aufhören. Das ist sicher kein leichter Weg, wird seine Zeit dauern und ich muß noch viel an mir arbeiten.
Glaubst du an den Wiederaufstieg?
Ja, ganz sicher. Klar, wird es verdammt schwer, aber man muß den Glauben haben. Genauso wie ich daran glauben muß, wieder einmal zu spielen. Manchmal gibt es im Spiel noch einige Probleme in der Abstimmung, weil die Mannschaft noch nicht so lange zusammen spielt und der eine vom anderen noch nicht genau weiß, wo er den Ball hingespielt haben will, aber ich denke, daß wir das in den nächsten Wochen in den Griff kriegen werden.
Vielen Dank für das Gespräch.

Birgit Koch und Carola Apfel, Fotos Vera van Heyden


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